Atemschutzausbildung im Lkr. Ebersberg

Während der mittlerweile vierzehn Jahre, seit die Atemschutzanlage des Landkreises Ebersberg, stationiert im Feuerwehrgerätehaus Ebersberg, in Betrieb ist, sind dort 480 Feuerwehrmänner und -frauen zu Atemschutzgeräteträgern ausgebildet worden. In der anerkannten Ausbildungsanlage, wie sie früher nur in der staatlichen Feuerwehrschule Regensburg existierte, sind zehn Ausbilder ehrenamtlich tätig. Um Atemschutzgeräteträger zu werden ist eine abgeschlossene Feuerwehrgrundausbildung nötig. Der Feuerwehrmann muss unter anderem die theoretischen Grundlagen des Brennens und Löschens, den Ablauf des Löschaufbaus und die Vornahme von tragbaren Leitern beherrschen. Außerdem wird nach der FwDV 7 vorausgesetzt, dass Kenntnisse über die bei der Feuerwehr üblichen Knoten, den Umgang mit Funkgeräten, Personenrettung und Erste Hilfe vorhanden sind.
Die gesundheitliche Eignung wird von anerkannten Ärzten mit der sogenannten Grundsatzuntersuchung G 26.3 festgestellt, die zum Beispiel die korrekte Funktion von Augen und Ohren und die Belastbarkeit von Herz und Lunge umfasst.

Erst dann kann die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger beginnen. Den Kursteilnehmern werden nach einer kurzen Einführung die Funktion der Atmung und die Einteilung der Atemschutzgeräte vermittelt. Es folgen leichte Gewöhnungsübungen, Unterrichte über die Einsatzgrundsätze und die besondere Verantwortlichkeit im Atemschutzeinsatz, ein Notfalltraining und eine ausführliche Belastungsübung. Zum Abschluss des Kurses findet eine Einsatzübung in verrauchten Kellergewölben und eine schriftliche Prüfung statt. Die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger dauert im Ganzen 24 Stunden, die an vier Abenden und zwei Ganztagesveranstaltungen abgeleistet werden. Die Ausbildung ist jedoch hiermit noch nicht ganz abgeschlossen. In regelmäßigen Abständen sind Wiederholungsübungen notwendig.
Ständige Änderungen der Einsatztechnik und -taktik machen jährlich mindestens eine Übung unter Einsatzbedingungen und eine Übung in der Atemschutzübungsanlage notwendig.

Zudem bietet der Landkreis seit sechs Jahren Übungen in sogenannten Brandsimulationscontainern, in denen der Einsatz unter realitätsnahen Bedingungen mit "echtem" Feuer und "Flash- Over" geübt werden kann, an. Diese Möglichkeit wurde seitdem von 984 Geräteträgern genutzt.

Für die Träger von Chemikalienvollschutzanzügen findet im Anschluss an die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger eine weitere achtstündige Ausbildung statt, in der die speziellen Bedingungen im Einsatz mit gefährlichen Stoffen berücksichtigt werden. Eine Ausbildungsanlage modernster Bauart ging im Herbst 2001 im Feuerwehrgerätehaus Poing in Betrieb. Auch hier sind regelmäßige Wiederholungsübungen unter Einsatzbedingungen, mindestens einmal jährlich nötig.

Flash- Over:
Die bei einem Brand entstehende Hitze führt in einem geschlossenen Raum dazu, dass nahegelegene Gegenstände brennbare Gase produzieren. Dieser Vorgang, Pyrolyse genannt, findet im Besonderen bei Holz und Kunststoffprodukten statt und wird durch den heutigen Wohnungsbau, in dem auf Isolierung besonderen Wert gelegt wird, begünstigt.
Die brennbaren Brandgase sammeln sich unter der Decke bis die Explosionsgrenze erreicht ist und die Zündtemperatur ausreicht. Die Brandgase brennen dann schlagartig bei Temperaturen um die 1.000°C ab, der ganze Raum steht von einer Sekunde zur nächsten in Flammen. Gasdurchmischungen, die durch das Öffnen von Türen oder Fenstern entstehen begünstigen diesen Effekt. Der Feuerwehrmann muss hierbei tief am Boden kauern und die erhitzten Brandgase im Deckenbereich mit fein verstäubtem Wasser kühlen. Im Falle des Flash- Overs können nur moderne Schutzausrüstung aus hitzebeständigen Materialien und gute Ausbildung sowie regelmäßiges Training Leben retten.
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