Vorbereitung auf Einsätze im Bahnverkehr

Besser ausgebildete Feuerwehrleute stehen seit Mitte 1999 für Bahnunfälle, im Landkreis Ebersberg bereit. Von der Kreisbrandinspektion Ebersberg werden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn AG (DBAG) seit 1999 wiederholt Fortbildungsseminare zum „Fahrdrahterden“ und zur „Unterweisung S-Bahn“ angeboten.
In den Jahren 1999 und 2000 nahmen bei den Seminaren „Fahrdrahterden“ insgesamt 46 Einsatzkräfte, und bei den Seminaren „Unterweisung S-Bahn“ insgesamt 60 Einsatzkräfte, von den Feuerwehren die an einer Bahnstrecke anliegen, dem Landratsamt, dem Technischen Hilfswerk und der Kreisbrandinspektion teil. Somit stehen seit dieser Zeit sowohl auf der Strecke München - Rosenheim sowie auf der Strecke München - Mühldorf im Bereich des Landkreises für den Notfall ausgebildete Feuerwehrkräfte zur Verfügung.

Fahrdrahterden
Das Erden der 15.000 Volt-Oberleitung ist nur bei schweren Unfällen oder Bränden nötig. Wenn die Einsatzkräfte zum Beispiel die Waggondächer besteigen oder Brände in Waggons oder Lokomotiven löschen müssen und so den nötigen Sicherheitsabstand zur Oberleitung nicht einhalten können.
Die Einbeziehung der Feuerwehren in die Erdungstechniken schien den Führungskräften der Feuerwehr und der DBAG nach einigen schweren Unfällen in der Vergangenheit geboten. Zwar gibt es seit der Privatisierung der Bahn 167 „Notfallmanager“ bei der DBAG. Die aber brauchen im Ernstfall bis zu 30 Minuten bis sie beim Unfallort sind. Die Feuerwehr vor Ort kann aber schon in zehn bis 20 Minuten dort sein und helfen. Diese freiwillige Tätigkeit wird seither zur Unterstützung der DBAG von den Einsatzkräften durchgeführt.
Die Ausbildung besteht aus einem theoretischen Teil mit ca. acht Stunden und einem praktischen Teil mit ca. vier Stunden. Die unterwiesenen Kräfte sind dann berechtigt das „Fahrdrahterden“ an Oberleitungen durchzuführen. Ein Wiederholungsseminar, alle zwei Jahre, ist Pflicht.


Unterweisung S-Bahn
Die Ausbildungsveranstaltung findet unter Leitung von Kreisbrandinspektor Alois Mayer beim Bundesbahnausbesserungswerk Steinhausen statt. Als Einführung zum Seminar wird die CD-Rom des Landesfeuerwehrverbandes „Technische Hilfeleistung Eisenbahn“ gezeigt.
Im Anschluss werden die Teilnehmer von einem Mitarbeiter der DBAG mit verschiedenen technischen Details einer S-Bahn vertraut gemacht. Das im theoretischen Teil erlernte Wissen kann anschließend im praktischen Teil angewandt werden. Der Höhepunkt dieser Ausbildungsveranstaltung ist die Einsatzübung.
„Verkehrsunfall – Pkw gegen S-Bahn – Person unter S-Bahn“. Hierbei können die Hilfskräfte mit ihren technischen Hilfsmitteln (Winden, Hebekissen, Rettungsspreizer, Greifzug usw,) die Personen aus dem Auto und unter der S-Bahn befreien.
Als weitere Ausbildungsveranstaltung fand im Mai 2000 eine „Stations- Einsatzübung Bahn“ in Grafing statt. Hierbei konnten ca. 200 Einsatzkräfte des Landkreises an mehreren Einsatzobjekten (Elektro-Lok, Kesselwagen mit Gefahrgut, Personenwaggon und einer S-Bahn) Erfahrungen sammeln.

Einsatz – Bahnunfall
Einen Tag nach der Stationsübung in Grafing geschah am Bahnübergang im Stadtbereich von Grafing, ein Zusammenstoß zwischen einem Lkw-Anhänger und einem Triebwagen der DBAG. Der Lkw stand samt Anhänger bei geschlossener Schranke im Gleisbereich des Bahnübergang. Der heranfahrende Zugführer konnte trotz Notbremsung einen Zusammenstoß nicht mehr verhindern. Bei dem Unfall wurden acht Personen leicht bis mittel verletzt. Die umliegenden Feuerwehren wurden zur „Erdung der Oberleitung“, zur „Rettung der verletzten Personen“ und zum „Aufnehmen von ausgelaufenen Öl und Kraftstoff“ an die Einsatzstelle gerufen. Hier hat sich gezeigt, wie wichtig vorbereitende Ausbildung und Übung für die Einsatzkräfte im Bahnbereich sind. Ein weiterer Ausbildungsschritt ist ein Symposium Bahn, durchgeführt vom Landes- Feuerwehr-Verband Bayern.
Das Seminar S-Bahn Unterweisung und das Seminar Fahrdrahterden wurden auch im Jahr 2001 den Einsatzkräften angeboten.
All diese Ausbildungsabschnitte werden von den Einsatzkräften in ihrer Freizeit durchgeführt. Den Kommunen und der DBAG entstehen somit keine Kosten für Lohnfortzahlung der Seminarteilnehmer. Selbstverständlich opfern dabei die ehrenamtlich tätigen Einsatzkräfte ihre Freizeit zum Wohl der Bürger.


< zurück