First Responder im Lkr. Ebersberg

Erfahrungen aus dem ersten Einsatzjahr der Aßlinger Feuerwehr, 125 Einsätze
Nach langer Vorbereitungszeit hat die Feuerwehr Aßling als erste Landkreisfeuerwehr im Februar 2000 den First Responder Dienst aufgenommen. Was sind die Gründe für diesen Dienst, wie belasten sie die Feuerwehrkräfte und wie sind die Erfahrungen nach einem Jahr.

Gründe für den First Responder
Die Gemeinde Aßling liegt im südlichen Randbereich des Landkreises Ebersberg und grenzt an den Landkreis Rosenheim. Geographisch gesehen ist das natürlich kein Problem, Aßling hat eine gute Anbindung öffentlicher Verkehrsmittel, das Straßennetz ist nach allen Richtungen gut, die Infrastruktur stimmt und trotzdem hat diese „Randlage“ große Nachteile, Polizei und Rettungsdienst, zuständig ist hier der Standort Ebersberg, müssen über zwölf km anfahren und die Fahrzeit ist unter 15 Minuten fast nicht möglich. Von anderen Rettungswachen, z. B, Bad Aibling sind die Anfahrten noch länger.
Die Feuerwehr Aßling unter Federführung von Kommandant Franz Fiedler hat deshalb beschlossen, einen First-Responder Dienst, wie er im Landkreis München schon erfolgreich tätig ist, einzurichten. Ersthelfer der Feuerwehr also, die bei allen medizinischen Notfällen eine qualifizierte Erste Hilfe leisten können.
Die Gemeinde Aßling stimmte dem Vorhaben zu, das BRK Ebersberg erklärte sich sofort bereit, die Feuerwehrkräfte auszubilden. Nach umfangreichen Vorbereitungen unter Leitung von Lehr-Rettungsassistent Günther Keller konnte der Dienst im Februar 2000 aufgenommen werden. Die ärztliche Leitung des Projekts hat die Grafinger Ärztin Dr. Hellinger inne. Im ersten Jahr seines Bestehen wurde dann der First Responder Dienst zu 125 Notfalleinsätzen alarmiert. Schon nach kurzer Zeit konnte ein Patient, der einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hatte, erfolgreich reanimiert werden.

Dienst rund um die Uhr
Mittlerweile sind bei der Feuerwehr Aßling 19 Frauen und Männer ausgebildet und verrichten Dienst nach Dienstplan. Jeweils zwei bis drei Ersthelfer haben nach Plan Dienstbereitschaft und müssen am Wohnort einsatzbereit sein. Die Ausrückzeit liegt somit bei ca. drei Minuten.


Alarmierung
Das jeweilige dienstbereite First Responder Team wird von der Rettungsleitstelle Erding direkt alarmiert. Bei allen Notarzt- und Notfalleinsätzen in den Gemeindebereichen Aßling, Emmering, und Frauenneuharting (Teil) wird das Team mitalarmiert. Die „Feuerwehrsani“ leisten bei den Patienten Erste Hilfe bis zum Einstreffen des Notarztes.

Einsatzfahrzeug/Med. Gerät
Im Jahr 2000 wurden die FR-Einsätze mit dem Mehrzweckfahrzeug 11/1 gefahren. Wegen der hohen Anzahl der Einsätze und aus einsatztaktischen Gründen wurde an die Beschaffung eines leichteren Einsatzfahrzeuges gedacht. Anfang 2001 konnte ein Fahrzeug der Marke Ford Galaxy beschafft werden. Das zivile Fahrzeug wurde von der Aßlinger Feuerwehr selbst nach den eigenen Bedürfnissen zum Einsatzfahrzeug umgebaut.
Die Beschaffung des Fahrzeuges wurde durch eine Spendenaktion finanziert. Der Unterhalt des Fahrzeuges obliegt der Gemeinde. Medizinische Geräte wurden von der Gemeinde finanziert, Verbrauchsmaterial wie Verbandsmaterial, Infusionen usw, stellt das BRK Ebersberg zur Verfügung.
Der First Responder Dienst der Feuerwehr Aßling verfügt über folgendes Gerät:
  • AED Automatischer Externer Defibrillator
  • Automatisches Beatmungsgerät mit Sauerstoff
  • Absaugpumpe zum Absaugen der Atemwege
  • Gerät zur Stabilisierung bei Verdacht von Brüchen
  • Gerät zur Feststellung des Blutzuckers
  • Intubations-Material
  • Einsatzrucksack und Einsatzkoffer mit div. Material.

Erfahrungen aus dem ersten Einsatzjahr
Bei über 125 Notfalleinsätzen konnten in diesem ersten Jahr zahlreiche Erfahrungen gesammelt werden. Durch die hohe Anzahl der Einsätze ist das First Responder-Personal hoch motiviert. Die Akzeptanz des Dienstes in der Bevölkerung ist außerordentlich hoch. War der Großteil der Betroffenen in der Anfangszeit überrascht, dass bei einem med. Notfall die Feuerwehr kommt, so wird man jetzt schon „erwartet.“ Bei einem Dienst rund um die Uhr benötigt man ausreichend ausgebildetes Personal um Einzelne nicht zu sehr zu belasten. Bei der Planung ging man in Aßling davon aus, dass langfristig mindestens 10 Frauen und Männer ausgebildet sein müssen, um den Dienst zu gewährleisten. Bei mittlerweile 19 ausgebildeten Feuerwehrangehörigen besteht in Einsatzbereitschaft kein Engpass. Ein großer Vorteil für die Feuerwehr - und natürlich für die Opfer - ergibt sich bei Verkehrsunfällen. Die Feuerwehr Aßling kann hier sofort auch bei mehreren Verletzten eine qualifizierte Erstversorgung übernehmen und die Patienten betreuen.
Bei einem Verkehrsunfall (drei Tote, zwei Schwerverletzte, vier Schockpatienten) nahe Aßling konnten alle nach sehr kurzer Zeit betreut werden. Bei zwei Männern mit Herz-Kreislaufstillstand wurden sofort Wiederbelebungsmaßnahmen drchgeführt.
Abschließend ist zu bemerken, dass dieser neue Dienst für die Einsatzkräfte eine physische wie psychische Belastung darstellt. Die Feuerwehrangehörigen müssen für die Aus- und Fortbildung sowie für die Einsätze viel Zeit aufwenden. Auch Einschränkungen im Privatleben durch die Einsatzbereitschaft ist gegeben. Trotzdem sind durchweg alle Kräfte sehr positiv eingestellt, weil der Dienst sehr sinnvoll ist und bei allen Institutionen, wie Polizei, Rettungsdienst, Kommunen und nicht zuletzt beim Patienten eine hohes Ansehen genießt.
Hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit den Rettungsdienst-Organisationen. Das BRK Ebersberg, der Rettungsdienst des BRK sowie die Rettungsleitstelle Erding hat den First Responder Dienst voll integriert, angefangen mit der Ausbildung über die Ausstattung mit med. Verbrauchsmitteln bis hin zur vollen Akzeptanz und dement-sprechender guter Zusammenarbeit. Dafür bedankt sich die Feuerwehr Aßling.


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